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MPU wegen zu schnellem Fahren: Wann Tempoverstöße zur Begutachtung führen

Auch ohne 8 Punkte kann die Führerscheinstelle nach massiven oder gehäuften Tempoverstößen eine MPU verlangen. Was dahintersteckt und wie Sie sich vorbereiten.

Punkte & StraftatenStand: 14. Oktober 2026Lesezeit ca. 7 Min.Fragen? 0800 44 600 88

Bei der MPU denken die meisten an Alkohol oder Drogen. Dass auch ein schwerer Gasfuß zur Begutachtung führen kann, überrascht viele. Dabei ist die MPU wegen zu schnellem Fahren gar nicht so selten: Sie kommt nach dem Entzug mit acht Punkten, manchmal aber auch deutlich früher.

Die Kernaussage vorweg: Eine feste Grenze, ab der eine MPU wegen Geschwindigkeitsüberschreitung droht, gibt es nicht. Die Fahrerlaubnisbehörde darf ein Gutachten verlangen, wenn ein Verstoß erheblich ist oder sich Verstöße wiederholen. Das kann schon lange vor acht Punkten der Fall sein.

Wir zeigen, auf welcher Grundlage die Behörde handelt, welche Konstellationen typisch sind, wo die Grenze zur Straftat verläuft und worauf es im Gutachtergespräch ankommt.

Liegt bei Ihnen schon eine Anordnung vor oder rechnen Sie damit? Rufen Sie uns an – unter 0800 44 600 88 ist das Erstgespräch kostenfrei.

Zwei Wege zur Tempo-MPU

Wer wegen Geschwindigkeitsverstößen zur Begutachtung muss, kommt meist auf einem von zwei Wegen dorthin.

Über das Punktesystem. Tempoverstöße bringen je nach Schwere einen oder zwei Punkte. Wer acht Punkte erreicht, verliert die Fahrerlaubnis zwingend. Für die Neuerteilung verlangt die Behörde in der Regel ein MPU-Gutachten. Dieser Weg ist ausführlich im Beitrag 8 Punkte in Flensburg beschrieben.

Über § 11 Abs. 3 Nr. 4 FeV. Unabhängig vom Punktestand kann die Behörde eine MPU anordnen, wenn jemand „erheblich“ oder „wiederholt“ gegen verkehrsrechtliche Vorschriften verstoßen hat. Damit das nicht mit dem Punktesystem kollidiert, regelt § 4 Abs. 1 Satz 3 StVG: Das Punktesystem tritt zurück, wenn andere Vorschriften frühere oder andere Maßnahmen erfordern.

Um diesen zweiten Weg geht es in diesem Beitrag vor allem, denn er trifft Betroffene oft unvorbereitet.

MPU wegen zu schnellem Fahren ohne 8 Punkte

Die Formulierung im Gesetz ist bewusst offen. Was „erheblich“ ist, steht nirgends als Zahl. Die Behörde muss ihre Zweifel an der Eignung im Einzelfall begründen, und dabei spielen mehrere Gesichtspunkte zusammen.

Was einen Verstoß erheblich machen kann

In der Praxis achten Behörden und Gerichte zum Beispiel auf:

  • das Ausmaß: eine Überschreitung, die weit über dem liegt, was im Alltag als Ausrutscher gelten kann,
  • den Ort: etwa vor Schulen, in Wohngebieten oder in Baustellen,
  • die Gefährdung: ob andere Verkehrsteilnehmer konkret in Gefahr gerieten,
  • die Begleitumstände: dichter Verkehr, Nässe, Nacht, ein Beifahrer mit Kindern,
  • die Vorgeschichte: ob der Verstoß in ein bekanntes Muster passt.

Keiner dieser Punkte führt für sich automatisch zur MPU. Entscheidend ist, ob das Gesamtbild ernsthafte Zweifel daran weckt, dass Sie sich künftig an Regeln halten.

Wenn sich Verstöße häufen

Der zweite Fall sind wiederholte Verstöße. Wer innerhalb kurzer Zeit mehrfach geblitzt wird, womöglich trotz eines Fahrverbots oder kurz nach einer Verwarnung, zeigt ein Muster. Hier kann die Behörde den Eindruck gewinnen, dass Sanktionen keine Wirkung zeigen. Das ist häufig der eigentliche Anlass für die Anordnung.

Ob eine Anordnung in Ihrem Fall gut begründet ist, kann nur eine rechtliche Prüfung klären. Diese Frage gehört zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht, bevor die Frist verstreicht.

Gut zu wissen: Ein Fahrverbot ist keine Entziehung. Es endet nach der festgesetzten Zeit, und Sie dürfen ohne Antrag wieder fahren. Erst wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird, braucht es eine Neuerteilung – und dann oft ein Gutachten. Den Unterschied erklärt der Beitrag Fahrverbot oder Führerscheinentzug.

Raserei oder Rennen: wo die Straftat beginnt

Zu schnelles Fahren ist in aller Regel eine Ordnungswidrigkeit. Es gibt aber eine Grenze, ab der es zur Straftat wird. § 315d StGB stellt nicht nur organisierte Rennen unter Strafe, sondern auch das sogenannte Alleinrennen: Wer mit nicht angepasster Geschwindigkeit, grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen, macht sich strafbar – auch ganz ohne Gegner.

Die Folgen sind dann deutlich härter: Strafverfahren, in der Regel Entziehung der Fahrerlaubnis durch das Gericht, eine Sperrfrist und unter Umständen die Einziehung des Fahrzeugs. Die MPU kommt anschließend bei der Neuerteilung. Was hier im Einzelnen gilt, lesen Sie unter Illegale Autorennen und Alleinrennen.

Wichtig: Ob ein Fall noch als Bußgeld oder schon als Straftat behandelt wird, entscheiden Staatsanwaltschaft und Gericht. Wer Post von der Polizei mit dem Vorwurf eines Rennens bekommt, sollte vor jeder Aussage anwaltlichen Rat einholen.

Worauf der Gutachter bei einer Tempo-MPU achtet

Bei einer Begutachtung wegen Verkehrsauffälligkeiten gibt es keinen Alkohol- oder Drogentest. Der Schwerpunkt liegt auf dem psychologischen Gespräch, ergänzt um einen Leistungstest am Computer und eine ärztliche Untersuchung im üblichen Rahmen.

Die Beurteilungskriterien enthalten für diese Fragestellung eigene Hypothesen zu Verkehrsauffälligkeiten. Vereinfacht gesagt prüft der Gutachter, ob er nachvollziehen kann, warum es zu den Verstößen kam, ob Sie die Gründe verstanden haben und ob Ihre Veränderung stabil genug ist, um auch unter Druck zu halten. Wie diese Logik aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Beurteilungskriterien und Hypothesen.

Typische Hintergründe hinter Tempoverstößen

Hinter einer Serie von Blitzerfotos stecken selten nur „Pech“ oder „schlechte Beschilderung“. In der Vorbereitung zeigen sich häufig Muster wie diese:

  • Zeitdruck als Dauerzustand: zu knapp geplante Termine, chronisches Zuspätkommen.
  • Fahren als Ventil: Ärger, Frust oder Langeweile werden über das Gaspedal abgebaut.
  • Spaß an Geschwindigkeit: der Reiz, das Auto auszufahren, oft verstärkt durch leistungsstarke Fahrzeuge.
  • Bagatellisierung: die Überzeugung, Tempolimits seien übertrieben und man selbst fahre sicher genug.
  • Gewöhnung: Wer oft folgenlos zu schnell fährt, verliert das Gefühl für das Risiko.

Welche dieser Muster auf Sie zutreffen, ist individuell. Genau das herauszuarbeiten, ist der Kern einer guten Vorbereitung. Welche Fragen im Gespräch typischerweise kommen, sammelt der Beitrag MPU-Fragen.

Sie sind unsicher, welche Muster bei Ihnen eine Rolle spielen? Unter 0800 44 600 88 klären wir das in einem ersten, kostenfreien Gespräch.

So bereiten Sie sich auf die MPU wegen Geschwindigkeitsüberschreitung vor

Eine Tempo-MPU lässt sich nicht mit auswendig gelernten Sätzen bestehen. Gutachter achten darauf, ob Ihre Antworten zu Ihrer Akte und zu Ihrer Lebenssituation passen.

Schritt 1: die Vorgeschichte vollständig erfassen

Besorgen Sie sich eine Auskunft aus dem Fahreignungsregister und Ihre Bescheide. Listen Sie jeden Verstoß mit Datum, Ort, Höhe der Überschreitung und Situation auf. Wer im Gespräch nur „ein paar Mal“ sagt, obwohl die Akte zwölf Einträge zeigt, verliert schnell Vertrauen.

Schritt 2: die Ursachen ehrlich klären

Gehen Sie jeden Verstoß einzeln durch. Wohin wollten Sie? Was war in Ihrem Kopf? Hätten Sie damals gesagt, dass Sie zu schnell sind? Aus den Antworten ergibt sich meist ein roter Faden, der mehr über Sie verrät als jede Statistik.

Schritt 3: Veränderungen umsetzen und belegen

Gutachter wollen keine guten Vorsätze hören, sondern sehen, was sich im Alltag geändert hat. Das können ganz konkrete Dinge sein: andere Arbeitszeiten, Puffer im Kalender, ein Tempomat, den Sie konsequent nutzen, ein anderes Fahrzeug, eine veränderte Einstellung zu Regeln. Wichtig ist, dass Sie erklären können, warum diese Schritte zu Ihren persönlichen Ursachen passen.

Schritt 4: Rückfallrisiken kennen

Woran merken Sie, dass alte Gewohnheiten zurückkommen? Was tun Sie dann? Eine realistische Antwort überzeugt mehr als die Behauptung, so etwas könne nie wieder passieren.

Beispiel: Ein Außendienstler Anfang vierzig fällt binnen zwei Jahren mehrfach mit deutlichen Überschreitungen auf, einmal davon in einer Baustelle auf der Autobahn. Die Behörde ordnet eine MPU an, obwohl er erst sechs Punkte hat. In der Vorbereitung erkennt er, dass er Verspätungen als Gesichtsverlust erlebt und Fahrzeit als Zeit zum „Aufholen“ betrachtet. Er plant Kundentermine jetzt mit festen Puffern, nutzt auf der Autobahn konsequent den Tempomat und kann das im Gespräch an konkreten Wochen zeigen. Das Beispiel ist zur Veranschaulichung erfunden.

Wie viel Zeit Sie für diese Arbeit einplanen sollten, beschreibt der Beitrag Wie lange dauert die MPU-Vorbereitung?. Unsere Unterstützung bei der Vorbereitung stellen wir auf der Seite MPU-Vorbereitung vor, alles zum Anlass bündelt die Seite MPU wegen Punkten.

Fazit

Eine MPU wegen zu schnellem Fahren kann auf zwei Wegen kommen: nach dem Entzug mit acht Punkten oder vorher, wenn die Behörde einen Verstoß als erheblich ansieht oder sich Verstöße häufen. Eine feste km/h-Grenze gibt es dafür nicht, entscheidend ist das Gesamtbild. Wird aus Raserei ein Rennen im Sinne des § 315d StGB, drohen Strafverfahren und Entziehung. Im Gutachtergespräch zählt, ob Sie die Gründe für Ihr Fahrverhalten verstanden und Ihren Alltag nachvollziehbar verändert haben.

Persönliche Unterstützung: Kostenfreie Erstberatung unter 0800 44 600 88 – telefonisch und online, in NRW auch persönlich.

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Ab wie viel km/h zu schnell droht eine MPU?

Eine feste Geschwindigkeitsgrenze gibt es im Gesetz nicht. § 11 Abs. 3 Nr. 4 FeV spricht nur von einem erheblichen oder von wiederholten Verstößen. Ob ein Tempoverstoß diese Schwelle erreicht, bewertet die Fahrerlaubnisbehörde im Einzelfall, etwa nach Ausmaß, Ort, Gefährdung und Vorgeschichte.

Kann eine MPU wegen Geschwindigkeitsüberschreitung auch vor 8 Punkten angeordnet werden?

Ja. Das Punktesystem tritt zurück, wenn andere Vorschriften frühere Maßnahmen erfordern (§ 4 Abs. 1 Satz 3 StVG). Die Behörde kann deshalb bei erheblichen oder gehäuften Verstößen ein Gutachten verlangen, auch wenn noch keine acht Punkte erreicht sind.

Ist ein Fahrverbot wegen zu schnellem Fahren schon ein Führerscheinentzug?

Nein. Ein Fahrverbot ist eine befristete Nebenfolge, danach dürfen Sie ohne Antrag wieder fahren. Bei einer Entziehung erlischt die Fahrerlaubnis, und Sie müssen sie neu beantragen. Erst dann stellt sich typischerweise die Frage nach einer MPU.

Was prüft der Gutachter bei einer Tempo-MPU?

Es geht um Ihr Verhalten im Straßenverkehr, nicht um Alkohol oder Drogen. Der Gutachter möchte verstehen, warum Sie wiederholt oder massiv zu schnell gefahren sind, welche Einstellungen dahinterstanden und ob Ihre Veränderung auch in Stresssituationen trägt. Einen Laborteil gibt es in der Regel nicht.

Hilft es, im Gespräch zu sagen, dass ich nur sehr selten zu schnell fahre?

Wenn die Akte etwas anderes zeigt, schadet das eher. Gutachter kennen Ihre Vorgeschichte. Überzeugender ist eine offene Auseinandersetzung mit den eigenen Mustern und eine nachvollziehbare Beschreibung dessen, was Sie heute anders machen.

Quellen

  1. § 11 FeV – Eignung, Anordnung von Gutachten
  2. § 4 StVG – Fahreignungs-Bewertungssystem
  3. § 315d StGB – Verbotene Kraftfahrzeugrennen
  4. Kirschbaum Verlag – 5. Auflage der Beurteilungskriterien (2026)

Redaktion MPU-Scout · Stand: 14. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

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