Die Bezeichnung „Test“ führt viele in die Irre. Wer an Prüfungsbögen mit richtigen und falschen Antworten denkt, bereitet sich auf das Falsche vor. Was wird bei der MPU getestet? Kurz gesagt: Ihre gesundheitliche Verfassung, Ihre Leistungsfähigkeit am Steuer und vor allem, ob sich Ihr Verhalten nachvollziehbar und dauerhaft geändert hat.
Dafür setzt sich die Untersuchung aus vier Bausteinen zusammen. Auf dieser Seite erfahren Sie, was jeder davon prüft, worauf es jeweils ankommt und wie die Teile am Ende zu einem Gesamturteil zusammenfinden.
Unsicher, wo Ihre Schwachstellen liegen? Rufen Sie uns kostenfrei unter 0800 44 600 88 an. Wir schauen gemeinsam auf Ihre Fragestellung.
Was wird bei der MPU getestet? Die Bausteine auf einen Blick
| Baustein | Was geprüft wird | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Fragebögen | Vorgeschichte, Gesundheit, Konsum, Lebenssituation | ehrliche, stimmige Angaben |
| Ärztlicher Teil | körperlicher Befund, Laborwerte, Medikamente | Befunde, die zu Ihren Angaben passen |
| Leistungstest | Reaktion, Konzentration, Aufmerksamkeit, Belastbarkeit | ausgeruht und konzentriert antreten |
| Psychologisches Gespräch | Ursachen, Veränderung, Umgang mit Risiken | nachvollziehbare, eigene Geschichte |
Was genau im Mittelpunkt steht, bestimmt die Fragestellung der Behörde. Bei einer Alkoholfahrt geht es um andere Themen als nach acht Punkten. Die Gutachter orientieren sich dabei an den Begutachtungsleitlinien der BASt und an den Beurteilungskriterien in der 5. Auflage (2026). Diese ordnen jeden Fall bestimmten Hypothesen zu, etwa zu Abhängigkeit, Gefährdung oder dem Trennen von Konsum und Fahren. Wie das System funktioniert, erklärt der Beitrag Beurteilungskriterien und Hypothesen einfach erklärt.
Baustein 1: Fragebögen zur eigenen Vorgeschichte
Am Anfang stehen meist Fragebögen. Manche Stellen schicken sie vorab, andere legen sie am Untersuchungstag vor. Gefragt wird nach Schule und Beruf, Gesundheit, Medikamenten, früheren Auffälligkeiten und, je nach Anlass, nach Trink- oder Konsumgewohnheiten.
Die Bögen sind keine Formalität. Gutachter und Ärztin lesen sie vor ihren Gesprächen und vergleichen sie mit der Akte. Unterschiedliche Angaben zur Trinkmenge oder zum letzten Konsum fallen auf und werden später angesprochen. Hilfe beim Ausfüllen bietet der Beitrag Der MPU-Fragebogen richtig ausfüllen.
Baustein 2: ärztliche Untersuchung und Laborwerte
Im medizinischen Teil führt eine Ärztin oder ein Arzt ein Anamnesegespräch, untersucht Sie körperlich und nimmt in vielen Fällen Proben. Bei Alkoholfragestellungen stehen Leberwerte und Blutbild im Vordergrund, teils ergänzt um spezielle Marker. Bei Drogenfragestellungen sind Urin- oder Haarproben üblich.
Ziel ist kein Gesundheitscheck im üblichen Sinn. Die Befunde sollen zeigen, ob körperlich etwas gegen das sichere Fahren spricht und ob sie zu dem passen, was Sie über Ihren Konsum berichten. Wer angibt, seit Monaten keinen Alkohol zu trinken, dessen Werte sollten das stützen. Mitgebrachte Abstinenzbelege werden hier ebenfalls gesichtet. Einzelheiten zu Blutwerten und Ablauf lesen Sie unter Die medizinische Untersuchung bei der MPU.
Baustein 3: der Leistungstest als MPU-Test am Computer
Viele verstehen unter dem MPU-Test vor allem diesen Teil. An einem Testgerät bearbeiten Sie Aufgaben zu Reaktion, Konzentration, Aufmerksamkeit, Orientierung und Belastbarkeit. Die Verfahren müssen nach § 71a FeV bestätigt sein, die BASt führt dazu eine Liste.
Bewertet wird im Vergleich mit einer Bezugsgruppe. Für Pkw-Klassen sollen die Ergebnisse in allen Tests mindestens dem Prozentrang 16 entsprechen. Für Lkw, Bus und Fahrgastbeförderung gelten strengere Werte. Fällt ein einzelner Wert knapp aus, kann er unter Umständen durch gute andere Leistungen ausgeglichen werden, im Zweifel durch eine Fahrverhaltensprobe.
Vorwissen brauchen Sie nicht. Mehr dazu, auch zur Frage, ob Üben etwas bringt, im Beitrag Reaktions- und Leistungstest bei der MPU.
Baustein 4: das psychologische Gespräch als Kern
Im Gespräch mit der Gutachterin oder dem Gutachter fällt meist die Entscheidung. Es dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten. Geprüft werden vier große Fragen:
- Problemeinsicht: Erkennen Sie, was damals schiefgelaufen ist, ohne es kleinzureden oder auf andere zu schieben?
- Ursachen: Können Sie erklären, warum es dazu kam, also welche Gewohnheiten, Belastungen oder Einstellungen dahinterstanden?
- Veränderung: Was haben Sie seitdem konkret anders gemacht, seit wann und mit welcher Unterstützung?
- Stabilität: Woran erkennen Sie Risikosituationen, und wie gehen Sie damit um?
Auswendig gelernte Sätze helfen dabei nicht. Gutachter fragen nach, wechseln die Perspektive und achten darauf, ob Ihre Schilderung in sich schlüssig ist. Wie das Gespräch aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag Das psychologische Gespräch bei der MPU. Typische Fragen sammelt der Beitrag MPU-Fragen.
Gut zu wissen: Wer eine stabile Veränderung belegen soll, braucht dafür Zeit. Eine Vorbereitung, die erst zwei Wochen vor dem Termin beginnt, kann kaum mehr als die Fakten ordnen.
Wie die MPU-Bestandteile zusammenwirken
Die vier MPU-Bestandteile werden nicht einzeln benotet. Am Ende steht ein Gesamturteil, das nachvollziehbar und nachprüfbar begründet sein muss, so verlangt es Anlage 4a FeV. Der Gutachter legt dafür alle Informationen nebeneinander: Akte, Fragebögen, ärztliche Befunde, Testwerte und Gesprächseindruck.
Überzeugend ist, was zusammenpasst. Ein guter Leistungstest gleicht keine widersprüchliche Konsumgeschichte aus. Umgekehrt lässt sich ein schwacher Testwert eher auffangen, wenn alles andere stimmig ist. Deshalb lohnt es sich, nicht auf einen einzelnen Baustein zu schauen, sondern auf das Bild, das alle zusammen ergeben.
Ihre Akte ist kompliziert? Mehrere Anlässe, frühere Gutachten, Lücken in den Nachweisen: Unter 0800 44 600 88 klären wir in einem ersten Gespräch, worauf Sie sich einstellen sollten.
Der Untersuchungstag in Kürze
Rechnen Sie mit drei bis vier Stunden vor Ort. Die Reihenfolge der Bausteine unterscheidet sich von Stelle zu Stelle, zwischendurch gibt es Wartezeiten. Das Gutachten erhalten Sie nicht am selben Tag, sondern einige Tage oder Wochen später per Post.
Was Sie mitbringen sollten, von Ausweis über Abstinenzbelege bis zur Brille, fasst die Checkliste zu den MPU-Unterlagen zusammen. Den Tag Station für Station begleitet der Beitrag MPU-Ablauf Schritt für Schritt. Einen Überblick über alle Themen rund um die Untersuchung bietet unsere Seite Die MPU.
Fazit
Bei der MPU wird kein Wissen abgefragt. Geprüft werden Ihre Angaben in den Fragebögen, körperliche Befunde und Laborwerte, Ihre Leistungsfähigkeit am Computer und im Gespräch die Frage, ob Ihre Veränderung echt und belastbar ist. Entscheidend ist das Gesamtbild. Wer ehrlich, stimmig und mit belegbarer Veränderung antritt, hat die besten Voraussetzungen für ein positives Gutachten.
Persönliche Unterstützung: Kostenfreie Erstberatung unter 0800 44 600 88 – telefonisch und online, in NRW auch persönlich.
Stand: Oktober 2026
Häufige Fragen
Welcher Teil der MPU ist am wichtigsten?
In den meisten Fällen das psychologische Gespräch. Dort prüft der Gutachter, ob Sie die Ursachen Ihres Verhaltens verstanden und es stabil verändert haben. Ärztliche Befunde und Leistungstest fließen ein, ersetzen das Gespräch aber nicht.
Kann ich bei der MPU in einem Teil durchfallen und in einem anderen bestehen?
Einzelnoten gibt es nicht. Am Ende steht ein Gesamturteil, in das alle Bausteine einfließen. Ein schwacher Wert im Leistungstest lässt sich unter Umständen ausgleichen, deutliche Widersprüche zwischen Akte, Laborwerten und Gespräch dagegen kaum.
Wird bei jeder MPU Blut abgenommen?
Bei Alkohol- und Drogenfragestellungen gehören Laboruntersuchungen in der Regel dazu, etwa Leberwerte oder ein Drogenscreening. Welche Proben genommen werden, richtet sich nach der Fragestellung der Behörde und Ihrer Vorgeschichte.
Muss ich für den Leistungstest am Computer geübt haben?
Nein. Der Test misst grundlegende Fähigkeiten wie Reaktion und Konzentration, Vorwissen ist nicht nötig. Wichtiger sind ausreichend Schlaf, Ihre Sehhilfe und eine ruhige Herangehensweise.
Was passiert, wenn ich eine Frage im Gespräch nicht verstehe?
Fragen Sie nach. Das ist ausdrücklich erlaubt und wirkt nicht negativ. Eine ehrliche Rückfrage ist besser als eine Antwort, die an der Frage vorbeigeht.
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Quellen
- Anlage 4a FeV – Grundsätze für die Durchführung der Untersuchungen und die Erstellung der Gutachten
- Anlage 5 FeV – Eignungsuntersuchungen für Bewerber und Inhaber der Klassen C, D und der Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen – Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen – Geeignete Testverfahren (§ 71a FeV)
- DGVP/DGVM – Übersicht über die Änderungen der 5. Auflage der Beurteilungskriterien (2026)